BrotZeit & Spiele 2010

Wolfgang Ramadan, der uns im kommenden Jahr schon in der 4. Staffel mit Kabarett als Manager versorgt, trat nun selbst auf.

Angekündigt als Liebespoet, erwartete oder befürchtete man je nach Gemütslage Ende November einen beschaulichen, ja gar lieblichen Abend bei leiser Musik, Gereimtem und dazu eingestreuten Schmonzetten. Der Herr Impresario, Kulturreferent, Autor der bairischen Fassung von Shakespeares „ Der Widerspenstigen Zähmung“ macht schließlich rein optisch einen recht gemütlichen Eindruck und Partner Jakob Schmidt bringt ein Cello ins Spiel. Außerdem liegt der Termin schon sehr nah an der „staaden Zeit“…
   
Wally Warning Roots Band  

Wir lehnen uns also zurück…. Rutschen dann aber schnell auf die Stuhlkante vor. Die Herren sind nämlich äußerst lebhaft. Kein Gesäusle – nein ein Sturm an Gefühlen bricht über uns herein. Das anfänglich vorsichtige Werben erleben wir genauso intensiv wie Eifersuchtsausbrüche, Trennungsschmerz und sofortiges bedenkenloses, charakterloses Neuverlieben.
Ein Sprachstakkato, das mit Otfried Fischers Tempo durchaus mithält. Ein Blues, der an den frühen Willy Michl erinnert und eine darstellerische Wucht ohne jede Theatralik.
Wir erinnern uns an das alte „stand by me“ von Paul Anka, das er in die einzig mögliche anderssprachige, also bairische Version, „steh zu mir“ transferiert. Mitreißende Rhythmen, knappe, absolut treffsichere Texte und ein hinreißendes Cello, das nicht nur perfekt untermalt oder begleitet. Schmidt alleine ist schon ein Genuss. Ein wunderbarer Blues trägt die Lebensweisheiten. Philosophisch wird Wolfgang mit „I nack, nack, nackel an der Himmelstür“ und spricht Dinge aus, über die wir im Allgemeinen nicht gerne reden, vielleicht nicht einmal nachdenken.
So hat´s uns noch niemand gesagt, noch niemand gesungen und noch niemand gegeigt. Jakob Schmidt´s Cello ist als Begleit- aber auch als Soloinstrument neben Ramadans Poesie die überraschende Entdeckung! Wenn sie uns wieder aufspielen, möchten wir aber auch Wolfgangs Gitarre dazu hören. Für alle, die nicht da waren und neugierig geworden sind empfehlen wir zunächst You-tube. Außerdem hoffen wir auf eine Neuauflage in der übernächsten Staffel!

 

... der allerletzte Held
Sehnsüchtig hatten wir ihn erwartet, obwohl wir dieses Jahr eigentlich schon voll beschäftigt waren mit der Verarbeitung der Highligths des bayerischen Kabaretts wie Wellküren, Django und Otti. Bei Wally durften wir uns noch beim Reggae abreagieren.

Helmut Schleich 2010 So erwartete also den Heldensammler ein hochkonzentriertes, äußerst respektvolles Publikum. Wissen wir doch alle (jedenfalls alle, die BR3 schauen), mit wem wir rechnen können: Kommen mit ihm doch hoffentlich „der Strauß“, oder „der Otti Fischer“, wenigstens „der Heinzi“?

Das Kriegerdenkmal auf der Bühne verhieß uns zunächst aber ganz andere Typen.
Heldensammlers Hartmut Schlauch und trifft sich am Gedenkstein mit einem ebay-Verkäufer, der ihm die ersteigerten Helden liefern soll.
Dazu passend erscheint zwar Guttenberg himself, aber auch einige Überraschungsgäste:
Als „hyperlink“ Gesangslehrer Heinrich von Horchen und mit ihm die Erinnerung an Joopi und seine Zeit, untermalt von Schellackrauschen aus der Haribotüte. Unter anderem werden aber auch Ötzi, ein paar Heilige, der Dalai, selbst Lenin in Betracht gezogen.

Blitzschnell wechselt Schleich hinter dem Obelisken die Identitäten auch ohne Kostüm- oder Requisitenwechsel. Mimik und Geste genügen, um die Personen oder Typen in Sekundenbruchteilen auszutauschen.
Noch vor wir aus dem ersten Wort F.J.S. heraushören, pumpt und knickt er sich zur erkennbaren, ja leibhaftigen Sagengestalt. Endgültig zum Niederknien begegnen sich Otti und Ratzi, das Timbre und jede noch so winzige Handbewegung sind perfekt, sie wären als Gestalten auch ohne Ton eindeutig zu personifizieren. Andrerseits würde es schon genügen, sie nur zu hören. Mehr kann man sich nicht wünschen.

Helmut Schleich kommt auf seiner Pilgerreise nach Compostela über Stuttgart, München, Augsburg, Frankfurt, Wolfsburg, Hannover, Wiesbaden und Hamburg zwischendurch nach Großhelfendorf – welche Ehre! Der allergrößte Held!  

Wally Warning - Reggae in Helfendorf!
Wer befürchtet hatte, dass man in Helfendorf jetzt zur Wies'nzeit mit Afro-Latino-Musik nix am Hut hätte, täuschte sich gewaltig. Der Saal war gerammelt voll, gespannt und diszipliniert lauschte man den ersten beiden one-world- harmony songs, Wally im Duett. Aber dann kamen nach und nach weitere Protagonisten dazu, ein kleiner Temposchub genügte, „hand in hand“ (komponiert für Karl Heinz Böhm und sein Projekt in Äthiopien) zog sofort die Leute von den Stühlen und da war Sommerlaune.

Wally Warning Roots Band

Karibik - Reggae!
Sieben Mann und eine Dame, ein portugiesisch, spanisch–englisches Sprachgemisch, der schnelle 6/8-groove Wallys kleiner Rhythmusgitarre, der „Cuatro“, Schlagzeug, Bongos und Dschembe extra, Bass-Gitarre, eine heiße B-Trompete und ein hinreißendes Tenor-Saxophon. In wenigen Minuten hatte sich der Klimawandel vollzogen.

Wer bis jetzt noch kein Reggae-Fan war, wurde hier umgepolt. Die Alten erinnerten sich an den Calypso Harry Belafontes und an die Optik und Stimme Satchmos, Louis Amstrong. Man tanzte in den Gängen und in der Bar oder wippte wenigstens auf dem Stuhl. Sitzen konnte niemand mehr.

Wally, auf den Antillen geboren, orientierte sich in seiner Jugend im Roots-, Reggae-, Ragga- und Latinbereich, und vor allem an der Musik Otis Reddings. Er spielt mehrere Instrumente und komponiert viele seiner Songs selbst. Seit über 20 Jahren lebt er in Deutschland. 2007 landete sein Sommerhit „No Monkey“ in den Single Charts auf Platz 26.
Derzeit tourt der Rastaman durch Bayern. Wir werden ihn aber nicht aus den Augen verlieren. Er sollte uns schon wieder einmal richtig einheizen.

 

Sir Quickly, wieder zurück in seiner ursprünglichen Heimat, dem Solokabarett – am 20. Mai 2010 ist er auch bei uns in Helfendorf !!

Ottfried Fischer 2010
Ein Abend, dem jeder Otti-Fan entgegenfiebert. Der Großmeister erweist unserem Nest im Münchner Umland die Ehre. Mit eben der entsprechenden Ehrfurcht wird der Souverän von uns empfangen.

Man erwartet einen Wortschwall, dann stimmt er uns, selbst aber noch unsichtbar, mit einem getragenen Calypso ein. Überraschung!!! „Island in the sun“ aber nicht mit Belafonte, sondern mit Valente. „Wo meine Sonne scheint“ hievt uns in die silberwaldgrüne Heimat der Fünfzigerjahre seiner Kindertage, noch ganz ohne Grüne. Flott geht's gleich in die Siebziger, da aber alles inklusive Grüne, reißt uns durch bis in unsere Jetztzeit.

Als ehemaliger Bierzelt-Alleinunterhalter und Gaudi-Gigant erarbeitet er in der Heimatkommission der UNO Heimat- und Heimwehverordnungen. Philosophisch betrachtet er Patriotismus, Flüchtlings- und Zuwandererprobleme, greift in die Globalisierungsdebatte ein.

Von Anfang an fährt er mehrgleisig links und rechts der vertrauten Heimatschiene, erreicht sehr schnell Höchstgeschwindigkeit. Schließlich führt er die Gleise wieder zusammen. Du kennst Dich wieder aus, glaubst zu wissen, wie es weitergehen könnte, da ist er aber schon auf ein neues Gleis gesprungen. Einen einzigen Halt gibt es in der Pause, ansonsten durchgehend ICE –Tempo.

Wenn er einen Stammtischwitz zur „Story“ ausbaut, bist du genauso gefesselt wie bei seiner Interpretation von Platons Höhlengleichnis. Von Hollands Polkappenschmelzwasserflüchtlingen auf unseren Autobahnen bis Che Guevara analysiert er unsere Problemfelder und ihre Zusammenhänge.

Sein Sprachwitz ein Genuss, sein Sprachtempo aber eine echte Herausforderung. "Ha, Pointe!" muss er uns aus dem gespannten, hochkonzentrierten Zuhören herausreißen, "jetzt seid´s ihr dran!"
Wir hinken hinterher oder laufen geradeaus weiter, wenn er schon wieder zweimal um die Ecke gedacht hat, wenn wir gerade die Kurve vor uns sehen, hat er die schon geschnitten und zieht elegant aus der nächsten raus. „Ha, Pointe!“ – wir waren nicht schnell genug und haben eine Gaudi „hoch drei“ versäumt? Er hat sich selbst überholt und uns dabei überrollt. Wow, da vorn is'er !!

Otti, gib uns no a Chance! - jetzt wo wir uns gerade allmählich an Dein Tempo gewöhnt haben. Wir konnten kein rasendes Publikum sein, wie es sich gehört hätte, wir waren einfach nur überwältigt. Komm wieder!
Wir versprechen auch, dass wir inzwischen „Schlachthof“ anschauen, jedenfalls Dein blitzschnelles und ebenso gescheites Entree. Wir werden auch mitsprechen, wenn wir in Deinem Buche 'Wo meine Sonne scheint' lesen, so oft, bis wir auf Deinen fahrenden Zug aufspringen und Dein Tempo halten können.

Für alle, die diesen Fortbildungsabend versäumt haben, gibt es das Manuskript, in jedem Fachhandel erhältlich und - notfalls - serienweise „Schlachthof“ Sitzungen auf www.br-online.de . Otti, danke !

Sonntag, 21. März in Helfendorf

Seit über zehn Jahren ist Django Asül als türkisch-niederbayerischer Kabarettist weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Denn er schaut Deutschen, Bayern und ihren ausländischen Mitbürgern aufs Maul und über den wohl gehüteten Gartenzaun.

Django Asül

 
Völlig entspannt und locker präsentiert  Django in Großhelfendorf, dem "Kitzbühel Ayings"  zu Ehren im Janker, sein Soloprogramm "FRAGIL".
 
Klassisches Kabarett – nüchtern, geschliffen, zielgenau ohne Schnickschnack serviert  der smarte Kahlkopf Hochkonzentriertes, allerdings gesprüht  aus einer geschüttelten Flasche.
 
Dabei wechselt er übergangslos von seinem gepflegten Bayrisch ins Niederbayrische, genauso schnell ins Volkswirtschafter-Deutsch oder den türkischen Slang.

In atemberaubendem Tempo jagt er durch die Ära der neuen Bundesregierung und fieselt als gelernter Banker das Finanzresort durch alle Instanzen ab. Immer wieder bringt er alles sehr schnell auf den Punkt.

Nur zwischendurch lässt er uns in ein paar Erholungspausen Dialoge aus unserem Alltag im Normaltempo erleben und ersetzt mit brillianter Mimik Partner und Kulisse. Du glaubst ihm den Banker, den Gastarbeiter und genauso den Fußballtrainer.

Du lachst den ganzen Abend, auch wenn es dir immer wieder im Halse steckenbleiben könnte – wie gesagt : Alles ist FRAGIL !    

Nach zwei Jahren waren die Wellküren am 27. Feb. wieder im Fellner-Saal. Sie eröffneten die neue BrotZeit & Spiele Staffel mit ihrem neuen Programm „Beste Schwestern“

Wellkueren
Unter dem Motto „Stub´nmusi schützt“ entwickelten die Bavarian Sexmachines ein Parteiprogramm, mit dessen Hilfe Bayern gerettet wird.

„…des geht heut wia vor tausend Jahr und du kimmst jetzt zum Ess´n“. Wie immer wurde auf Harfe, Hackbrett und Gitarre typisch weiblich untermalt, mit der Männerdomäne Tuba, Posaune und Saxofon die Faust geballt, Ziach und Steyrische waren selbstverständlich wie ihr Gesang. Ihr Markenzeichen, die einzigartige Nonnentrompete, fand ein eigenes Kapitel. Vielseitig wie sie sind, erinnerten sie mit der Ukelele, passend zum „Kleinen Schwarzen“ zwar an Marilyn, sangen in diesem outfit aber dann auch klassische Gstanzl. Gott sei Dank gab´s pfundweis´ Zugaben.

Seit Januar 2010 ist der Abo-Vorverkauf beendet. 

Auf dem Tischplan können Sie sich orientieren - aber die Auswahl ist bereits sehr eingeschränkt: es sind nur noch ganz wenige Einzelplätze im hinteren Bereich erhältlich.

Das komplette neue Programm mit allen Terminen und auch allen Kontakten zum Vorverkauf finden Sie auf dem aktuellen Flyer 2010. Den Flyer können Sie hier als PDF downloaden >>>

Flyer 2010 klein

 

festspiele_06v2 Emmerami-Festspiele